Déjà-lu?


Wie versprochen…

Notiz / 11. Februar 2020

…der erste von drei Krimis!

„Das vielfältige Schauspiel der Berge, die Erinnerungen, aber besonders das Gefühl, dem Alltag entflohen zu sein, das Gefühl der Freiheit und der Lebensfreude, waren der Grund meiner Liebe zu den Bergen.“

(Walter Bonatti, 1930-2011, galt als einer der begabtesten Bergsteiger aller Zeiten)

Dieser Ausspruch könnte genauso gut von Commissario Grauner, dem kauzigen Ermittler aus Bozen, stammen; beschreiben diese Sätze doch exakt das Lebensgefühl des Protagonisten der Südtirol-Krimis von Lenz Koppelstätter. Bodenständig und heimatverbunden löst er auf unnachahmlich unaufgeregte Art seine Fälle. Ein Kommissar, der sich viel lieber auf seinem Hof um das Wohlergehen seiner Kühe kümmert, sich während der Stallarbeit mit Musik von Gustav Mahler volldröhnt und die deftige Küche der Region genießt, als Übeltätern das Handwerk zu legen. Doch das Verbrechen schläft auch in den romantischen Dörfern und Städtchen vor der idyllischen Kulisse einer imposanten Bergwelt nicht. So schickt der Autor ihn in seinem fünften Fall „Das Leuchten über dem Gipfel“ nach Toblach. Das heißt, er wird von seinem Assistenten Saltapepe, der sich dort aufhält, um ein wenig Urlaubszeit mit seinem Lieblingsclub SSC Neapel, der im Pustertal sein alljährliches Trainingslager abhält, zu verbringen, um Hilfe gebeten. Ein Spieler ist verschwunden, was Grauner allerdings nicht beunruhigt, denn Fußball interessiert ihn nicht die Bohne. Als aber Saltapepe niedergeschlagen wird, erkennt er die Dringlichkeit seines Anliegens und macht sich, immer noch widerwillig, auf den Weg. Seine leise Hoffnung dabei ist, die gleichzeitig dort stattfindenden Gustav-Mahler-Musikwochen besuchen zu können. Sehr schnell müssen die beiden Polizisten feststellen, dass nicht nur ein Fußballspieler abgängig ist, sondern auch ein Hirtenjunge aus dem Dorf vermisst wird. Ebenso schnell wird klar, dass sie es sowohl mit einem undurchsichtigen SSC Neapel sowie misstrauischen und wenig kooperationswilligen Dorfbewohnern zu tun haben. Gänzlich undurchsichtig bleibt zunächst, was eigentlich die Geschichten dahinter sind, ob und wie sie zusammenhängen und welche Personen involviert sind. Jeder spielt gegen jeden und keiner spielt im Team. Als sich die Nebel zu lichten beginnen, kommen ungeheuerliche Vorfälle an den Tag: Betrug, Bestechung, illegale Fußballwetten, Spielmanipulationen, familiäre Dramen… Die Ereignisse überschlagen sich.

Gekonnt legt Koppelstätter wieder Spuren aus, die in verschiedene Richtungen zeigen und von denen man nicht weiß, wohin sie führen. Mal zusammen, öfter jedoch allein, gehen der Commissario und sein Ispettore auf die Suche nach Tätern und Motiven. Der Leser folgt ihnen, wie immer in diesen Krimis, durch verschiedene Landstriche Südtirols, lernt die Eigenarten der Bewohner kennen, bekommt einen Eindruck von der regionalen Küche, und ein bisschen Gesellschaftspolitik ist auch dabei.

Bisher habe ich alle Krimis dieser Reihe gelesen und bin begeistert. Der Autor schafft es, ganz vielfältige Themen in den verschiedenen Regionen dieses wunderbaren Teils von Italien zu verorten. Das können ureigene Motive aus der Historie sein, aber eben auch Verbrechen, die ihre langen Kraken bis nach Asien ausstrecken. Immer plausibel konstruiert, spannend erzählt und jedes Mal Lust machend auf eine Reise nach Südtirol!

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